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So was darf nicht passieren! Und was, wenn doch?

Ein Einwurf von Martina Huxoll-von Ahn, stellvertretende Geschäftführerin beim Deutschen Kinderschutzbund LV NRW e.V.


Zunehmend mehr sieht sich Jugendhilfe mit einer Erwartungshaltung konfrontiert, an der sie geradezu scheitern muss. Fehler, Fehlsteuerungen, falsche Entscheidungen in Kinderschutzfällen sind immer dramatisch und alarmieren Medien und Öffentlichkeit zu Recht. Doch die Art der Berichterstattung über Kinderschutzfälle, in denen Kinder zu Tode gekommen waren, hat zu dem Glauben beigetragen, es könne einen „einhundertprozentigen Kinderschutz“ geben. Dramatisch verlaufene Kinderschutzfälle werden da als Fehler der einzelnen Fachkraft angesehen oder gleich als Versagen des ganzen Systems gewertet. Ursache benannt. Problem behoben?

So einfach ist es nicht.

Kinderschutz ist immer ein komplexes Zusammenspiel von Menschen, Ereignissen und Dynamiken. Nur wer genau hinschaut, kann die Zusammenhänge erfassen. Auf die Klärung kommt es an: Wer waren die Akteure wirklich? Freie Träger? Familienhilfe? Hat es Entwicklungen gegeben, die allesamt abzusehen waren, oder nicht? Fand zwischen den Beteiligten zeitnahe Kommunikation statt? Gab es Unsicherheiten bei den Arbeitsaufträgen? Oder war die zuständige Mitarbeiterin krank oder im Urlaub...? Wenn ein Kinderschutzfall eskaliert, stellen sich oft solche Faktoren als mit-entscheidende Stellschrauben für den Fallverlauf heraus. Um aufmerksamer zu werden für die Verkettung von Entscheidungen, Prozessen und rahmenden Strukturen, um die es hier geht, braucht es Möglichkeiten und Angebote wie die Fallrückschau: Nicht als Suche nach Fehlern und Schuldigen, sondern als offener und selbstkritischer Erkenntnisgewinn mit Blick auf zukünftige Fälle.
 
Aus Fehlern lernen. Zu schön um wahr zu sein?

Wenn das Ergebnis nicht stimmt, muss, was falsch gelaufen ist, benannt und geklärt werden. Das kann und darf die Gesellschaft von den Akteuren im Kinderschutz erwarten. Doch mit welchem Selbstverständnis blickt der Kinderschutz selbst auf gelungene und „gescheiterte“ Fälle? In den 186 Jugendämtern in Nordrhein-Westfalen ist in dieser Frage eine sehr unterschiedliche Praxis zu beobachten. In manchen sieht die Einrichtungskultur so aus, dass per Dienstanweisung von oben nach unten gearbeitet wird. Da liegt es nahe, wenn etwas schief gegangen ist, den entscheidenden Fehler an letzter Stelle bei dem Bearbeiter auszumachen. Es gibt auf der anderen Seite Jugendämter, in denen das gemeinsame Interesse an der Verbesserung der Kinderschutzpraxis da ist und in denen die Vereinbarungen zum §8a mit Leben gefüllt werden. In den ein bis zweimal jährlich vereinbarten Treffen werden auch zurück liegende Fälle genutzt, um zwischen Jugendamt und freiem Träger zu schauen, ob die Regelungen in den Vereinbarungen reichen oder wo Klärungsbedarf  besteht. Sie nutzen die Fallrückschau, um die komplexen Zusammenhänge, die für Fallverläufe im Kinderschutz typisch sind, besser zu verstehen. So kann man aus „Fehlern“ lernen.

Erfahren Sie mehr über das Konzept der Analysierenden Fallrückschau und das Angebot des Kinderschutzbundes NRW...

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Katharina Henrichs
Kompetenzzentrum Kinderschutz

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