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Das Recht auf gewaltfreie Erziehung

Die Bewertung von Gewalt und Misshandlung ist abhängig von der jeweils gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung und dem gelten Recht. So ist in unserer Gesellschaft festzustellen, dass sich die Einstellung zum Einsatz von gewaltförmigen Mitteln in der Erziehung und damit einhergehend auch in der Rechtssprechung gewandelt hat.

Die überwiegende Mehrheit von Erwachsenen lehnt Gewalt in der Erziehung ab. Untersuchungen zeigen jedoch, dass zwischen der moralischen Einstellung und dem tatsächlichen Verhalten im Erziehungsalltag eine große Diskrepanz besteht (vgl. Info NR. 12 des SFB 227 der Uni Bielefeld, Teilprojekt: Familiale Gewalt gegen Kinder und die Ambivalenz des Rechts.).

Eine Befragung des Kriminalistischen Forschungsinstituts Niedersachsen 1997 bei Schüler/innen ergab, dass ca. 10% der befragten Kinder Misshandlungen (Zusammenschlagen, Faustschläge ins Gesicht) bis zu ihrem 12. Lebensjahr erfahren hatten und weitere ca. 15% der Kinder Opfer häufiger oder schwerer Züchtigungen waren (Ohrfeigen, Schlagen mit Gegenständen).

Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Novellierung des § 1631 Abs. 2 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), des sog. Züchtigungsparagraphen. Seit November 2000 gilt: „Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Erziehungsmaßnahmen sind unzulässig”.

Mit diesem Kinderrecht ist nun ein deutliches Leitbild für die Erziehung formuliert worden. Gewalt als Mittel der Erziehung ist nicht zu rechtfertigen, sondern verletzt die Würde des Kindes. Somit soll dieses Gesetz Klarheit bei der Einschätzung dessen, was in der Kindererziehung zu tolerieren ist, schaffen und die Grauzonen von „noch erlaubt” bis „nicht mehr hinnehmbar” aufheben. Die Misshandlung von Kindern und der sexuelle Missbrauch von Jungen und Mädchen erfüllen darüber hinaus Straftatbestände.

(2) Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.

Bürgerliches Gesetzbuch als PDF-Datei