Häusliche Gewalt

Häusliche Gewalt wird manchmal missverstanden als Gewalt im Zuhause eines Kindes. Die Fachliteratur umschreibt damit allerdings „(unabhängig vom Tatort) Gewaltstraftaten zwischen Erwachsenen in einer partnerschaftlichen Beziehung, die derzeit besteht, die sich in Auflösung befindet oder die aufgelöst ist oder zwischen Erwachsenen, die in einer verwandtschaftlichen Beziehung zueinander stehen“ (BIG 2007, S. 2). Manche Autorinnen und Autoren sprechen auch von Partnergewalt, um die unmittelbar beteiligten Personen in den Blickpunkt zu rücken.

Bei den konkreten Gewalthandlungen unter den Erwachsenen lassen sich drei Unterkategorien unterscheiden:

  • die physische Gewalt in Form von Schlägen, Tritten, Würgeversuchen, Verbrennungen, Nahrungsentzug
  • die psychische Gewalt in Form von Einschüchterungen, Erniedrigungen, konstanter Kontrolle, Verboten (Erwerbsverbot, Kontaktverbot), Morddrohungen, Einsperren
  • die sexualisierte Gewalt in Form von Zwang zu sexuellen Handlungen oder Vergewaltigungen.

Die von den Täter/-innen benannten und von den Opfern subjektiv empfundenen Ursachen für die Gewaltausübung sind vielfältig. Frauen, die zweifellos am häufigsten zu den Betroffenen gehören, leben nicht selten in der Einschätzung, dass die Kinder Anlass für ihre Gewalterfahrungen sind. Mitunter begründen die Täter ihre Taten auch offenkundig damit.

In jedem Fall jedoch ist häusliche Gewalt eine Kindeswohlgefährdung, weil Mädchen und Jungen, die im Haushalt einer der betroffenen Personen leben, stets in Mitleidenschaft gezogen werden. Im folgenden werden die vier möglichen Varianten der Mitleidenschaft skizziert.

Zeugung durch Vergewaltigung

Das Leben eines Kindes ist hier quasi vom ersten Moment an gewaltbehaftet. Die Mutter wurde durch Gewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen, bei dem das Kind gezeugt wurde.

Misshandlungen während der Schwangerschaft

Körperliche Gewalt in Form von Schlägen, Tritten in den Bauch oder andere Körperverletzungen, aber auch psychische Formen der Gewalt gegen die Mutter sind hier gemeint, die nicht selten zu Komplikationen in der Schwangerschaft bzw. zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen des ungeborenen Kindes führen.

Aufwachsen in einer Atmosphäre der Gewalt

Von dieser Mitleidenschaft ist die überwiegende Zahl der Kinder im Kontext häuslicher Gewalt betroffen. Sie vollzieht sich auf mehreren Ebenen: Die Kinder „sehen, wie die Mutter geschlagen oder vergewaltig wird; sie hören, wie der Vater schreit, die Mutter wimmert oder verstummt; sie spuren den Zorn des Vaters, die eigene Angst, die der Mutter und der Geschwister, die bedrohliche Atmosphäre vor den Gewalttaten; sie denken, der Vater töte die Mutter, sie müssten die Mutter und Geschwister schützen, sie seien allein und ohnmächtig“ (BIG 2007, S. 6).

Gewalterfahrungen als Mitgeschlagene

Nicht selten versuchen die Kinder, die Mutter vor der Gewalttätigkeit zu schützen und geraten dabei selbst sozusagen zwischen die Fronten. Mitunter hält eine Mutter aber auch ein Kind bewusst weiter auf dem Arm, weil sie erfolglos hofft, dadurch die Hemmschwelle des Täters zu erhöhen.