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Wie Sie helfen können

In den vorangegangenen Ausführungen wurde deutlich: Beeinträchtigungen des kindlichen Wohlergehens können sehr vielfältig geschehen. Sie können von kurzer oder langer Dauer sein, ungewollt oder bewusst verursacht werden, offensichtliche Spuren hinterlassen oder auch weitgehend unsichtbar, nur indirekt wahrnehmbar bleiben. Manche Beeinträchtigungen überstehen manche Kinder annähernd unbeschadet. Andere Beeinträchtigungen ziehen bei nahezu allen Kindern anhaltende und gravierende Probleme nach sich.

Welche Folgen im Einzelfall auftreten, hängt vom Alter des betroffenen Kindes, von seiner Widerstandsfähigkeit, seinen Ressourcen zur Kompensation der Erfahrungen ab. Und es hängt davon ab, wie massiv, wie häufig und dauerhaft die Handlungen oder Unterlassungen sind. Je früher Fachkräfte und aufmerksame Bürger Beeinträchtigungen des Kindeswohls erkennen und zur Verbesserung der Lebenssituation eines betroffenen Kindes aktiv werden, umso größer ist die Chance, nachhaltige Auswirkungen bzw. Schädigungen der körperlichen und / oder seelischen Kindergesundheit zu verhindern.

Eine wirkungsvolle Unterstützung oder Hilfestellung setzt voraus, dass wir ein realitätsnahes Bild von den gegenwärtigen Lebensumständen und den Auswirkungen auf das Erleben eines Kindes haben. Für dieses Bild brauchen wir Wissen über gegenwärtige Risiko- und Schutzfaktoren im Leben des betreffenden Kindes und seiner Hauptbezugspersonen, über tatsächliche Formen der Beeinträchtigung und das subjektive Empfinden des Kindes sowie über die Haltung der Personensorgeberechtigten gegenüber dem Kind und seinem Erleben.

Die detaillierte Überprüfung und Zusammenführung der verschiedenen Aspekte bewahrt uns vor blindem Aktionismus zum Schaden der Kinder und ebenso vor der Darbietung von Hilfen, die kaum mehr sind als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Entsprechende Handlungsstrategien zu entwickeln braucht deshalb fundierte professionelle Kenntnisse und ein umsichtiges Vorgehen!

Mittlerweile gibt es in vielen Städten spezialisierte Beratungsstellen für Fälle von Gewalt gegen Kinder bzw. bei sexuellem Missbrauch von Kindern. Die örtlichen Jugendämter, die Gleichstellungsstellen und freie Träger wie z. B. der Kinderschutzbund verfügen über die entsprechenden Adressen oder halten selber solche spezialisierten Angebote vor. Erziehungs- und Familienberatungsstellen können ebenfalls zu Rate gezogen werden.

Ruhe bewahren!

Die genannten Beratungsstellen sollten zur eigenen Unterstützung konsultiert werden, sei es, dass Sie einen Verdacht haben, oder sei es, dass Ihnen gegenüber ein Mädchen oder Junge von ihren / seinen Gewalterlebnissen erzählt hat und Sie um Hilfe bittet. Ihre Beziehung oder Ihre Art des Kontaktes zu einem betroffenen Kind oder seiner Familie haben natürlich maßgebenden Einfluss auf Ihre Hilfe- und Unterstützungsmöglichkeiten.

Das Gespräch mit anderen hilft auch, die eigenen Wahrnehmungen zu überprüfen. Gerade dann, wenn die Beziehung zu einem Kind sehr eng ist, prägt das die Wahrnehmung, und es fehlt gelegentlich die notwendige Distanz für eine problemangemessene Einschätzung. Hier können andere Personen mit ihrer jeweiligen Perspektive helfen, Vermutungen zu bestätigen oder die eigene Wahrnehmung zu korrigieren.

Grundsätzlich gilt bei sexuellem Missbrauch und der Misshandlung von Mädchen und Jungen: Ruhe bewahren und nicht in blinden Aktionismus verfallen! Dies ist leichter gesagt als getan. Denn schließlich löst das Wissen oder der begründete Verdacht von Gewalt gegen und / oder Vernachlässigung von Kindern bei jedem heftige Gefühle aus. Wir sind empört, wir sind wütend, wir haben Mitleid mit dem Jungen oder Mädchen, wir möchten die Täter bestraft sehen, wir fühlen uns betroffen, wir können es nicht fassen. Und möglicherweise haben wir eigene Kindheitserinnerungen, die wieder belebt werden. Mit diesen Gefühlen sollten wir betroffene Kinder verschonen, denn bei heftigen Reaktionen kann es sein, dass sich die Kinder wieder verschließen oder ihre Aussagen zurückziehen. Sie werden unsicher, ob der ins Vertrauen gezogene Erwachsene die Situation überhaupt aushalten kann.

Das oberste Ziel jeder Hilfe ist es, den Schutz des Kindes vor weiterer Gewalt und / oder Vernachlässigung sicherzustellen. Und dies gelingt in aller Regel nicht durch unüberlegtes, nur den Gefühlen folgendes Handeln. Kinder, die Opfer von Misshandlung und Missbrauch sind, haben eigene Überlebensstrategien entwickelt. Wichtig ist es, betroffenen Kindern als Vertrauensperson zur Verfügung zu stehen und zu signalisieren: „Du kannst mit mir darüber reden und ich glaube dir”. Das beinhaltet auch, das Kind nicht zu bedrängen, sondern darauf zu warten und zu vertrauen, dass es weitere Gesprächsmöglichkeiten sucht und nutzt.

Ein solches Verhalten bedeutet, die Grenzen des Kindes zu achten. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für das Mädchen oder den Jungen, denn Grenzverletzungen sind ihre bzw. seine Erfahrung. Je nach Alter und Entwicklungsstand des Jungen oder Mädchen sollten Entscheidungen über mögliche Hilfsmaßnahmen und Handlungsschritte immer gemeinsam mit dem Kind überlegt und besprochen werden. Das Kind muss sich darauf verlassen können, dass nicht über seinen Kopf hinweg entschieden wird und es Einfluss auf das weitere Geschehen nehmen kann.

Gewalttätige Erwachsene sollten nicht ohne fachliche Beratung und Unterstützung und entsprechende Hilfeplanung mit dem Vorwurf der Misshandlung oder des Missbrauchs konfrontiert werden. Einerseits ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass der beschuldigte Erwachsene seine Gewalttätigkeit zugibt, und andererseits könnte dies für das Kind fatale Folgen haben (z.B. Verschärfung der Gewalt gegenüber dem Kind, weitere Drohungen und Einschüchterungen, Kontaktverbote mit anderen).

Selbstverständlich muss erwogen werden, in welchem Maße das Kind gefährdet ist. Bei Gefahr im Verzug sind möglicherweise dringendere Handlungsschritte notwendig. In diesen Fällen sollte man sich an das örtliche Jugendamt wenden, das in Fällen von Gewalt gegen Kinder tätig werden muss.

Dort kann man auch anonym im Vorfeld anfragen, welche Möglichkeiten der Hilfe und Unterstützung es für ein Kind gibt!

Denkbar ist es ferner, dass es sich um eine Familie handelt, die bereits vom Jugendamt oder einem anderen Träger betreut wird oder dort aus der Vergangenheit bekannt ist.