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Modelle der methodischen Aufarbeitung von Kinderschutzfällen und Praxis im Kinderschutz

Das Thema der systematischen Aufarbeitung von Kinderschutzfällen ist in Deutschland nicht ganz neu. In den letzten Jahren gab es groß angelegte Aufarbeitungen der spektakulären Fälle, in denen Kinder in Folge unzureichender Versorgung und Misshandlungen zu Tode kamen. Und auch in Modellprojekten auf Bundes- und Landesebene wurden mithilfe verschiedener Verfahren Fallverläufe untersucht. Deutlich wurde, dass immer mehrere Faktoren und Ebenen ursächlich für dramatische Entwicklungen sind. Sowohl die Bedingungen innerhalb der Organisation wie falsche Einschätzungen über die Gefährdungslage und ausbleibende adäquate Reaktionen auf Seiten der Fachkräfte, eine fehlende Abstimmung hinsichtlich der Aufgabenverteilung und Verantwortlichkeiten bei den Kooperationspartnern verschiedener Systeme sowie Krisen in betroffen Familien können als übereinstimmende Faktoren genannt werden.

Aktuell machen sich im Zuge der Qualitätsentwicklung und aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter öffentlicher und freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe immer öfter auf den Weg hin zu einer kritisch-konstruktiven Reflexion ihrer Praxis. Ihr Ziel ist es, systematisch Fälle aus der jüngeren Vergangenheit aufzuarbeiten, um hieraus Konsequenzen für die Praxis zu ziehen.

Ausgereifte Methodik fehlt

Bei Recherchen wurde deutlich, dass zwar aktuell viele an dem Thema arbeiten, eine etablierte Praxis vor Ort aber häufig noch nicht vorhanden ist. Die mangelnde Umsetzung in der Praxis liegt neben mangelnden Ressourcen und Unsicherheiten in Bezug auf den Umgang mit eventuell auftauchenden Fehlerkenntnissen sicher auch an einer mangelnden Kenntnis praxistauglicher Methoden und Verfahren zur Aufarbeitung von Fällen.

Es gab bisher weder einen Überblick über Mindeststandards einer analysierenden Fallrückschau noch eine Übersicht über Modelle der systematischen Aufarbeitung. Welche der Methoden in der Praxis am besten umsetzbar sind und bevorzugt werden sowie effektiv im Sinne eines verbesserten Kinderschutzes sind, war ebenso nicht bekannt. Daher wurden im Kompetenzzentrum Kinderschutz bereits vorhandene Verfahren und Methoden recherchiert.

Verfahren testen

In einer Expertenrunde mit Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis der Kinder- und Jugendhilfe, des Gesundheitswesens und der Schule wurden im September 2013 bereits eingeführte Verfahren und Methoden zur systematischen Aufarbeitung begutachtet sowie Empfehlungen für die Aufarbeitung von Fällen formuliert. Anhand dieser Empfehlungen entwickelte das Projektteam zwei Modelle zur Aufarbeitung, die mit Trägern öffentlichen Jugendhilfe exemplarisch durchgeführt wurden. Im Verlauf des Jahres 2014 wurden diese Modelle in der Praxis der Jugendhilfe weiter erprobt.

Im Projektjahr 2016 werden die gewonnenen Erfahrungen, die in der Erprobung von „analysierenden Fallrückschauen“ gewonnen werden konnten, öffentlichen und freien Trägern der Jugendhilfe zur Verfügung gestellt.“

Nähere Informationen zum Angebot der kostenlosen analysierenden Fallrückschau finden Sie hier.

Vorliegende Handreichung bietet einen systematischen Überblick über unterschiedliche Verfahren und Modelle systematischer Aufarbeitung von Kinderschutzfällen, erläutert Voraussetzungen, Rahmenbedingungen und Gestaltung einer durch das Kompetenzzentrum Kinderschutz begleiteten Fallrückschau und gibt Empfehlungen für die Praxis.

Weiterführende Literatur zum Thema

Deutscher Kinderschutzbund Landesverband NRW e.V.

Modelle der methodischen Aufarbeitung von  Kinderschutzfällen und der Praxis im Kinderschutz

Überblick, Erkenntnisse, Empfehlungen und Umsetzungsmöglichkeiten

Wuppertal 2015

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Vortrag von Christian Schrapper:

Fall- und Risikoanalysen im Kinderschutz

Wuppertal, 30. April 2014

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Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen

Risikomanagement bei Kindeswohlgefährdung. Kompetentes Handeln sichern.

Düsseldorf 2009

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Fegert, Jörg; Ziegenhain Ute; Fangerau, Heiner

Problematische Kinderschutzverläufe. Mediale Skandalisierung, fachliche Fehleranalyse und Strategien zur Verbesserung des Kinderschutzes.

Weinheim/München 2010: Juventa

Biesel, Kay

Wenn Jugendämter scheitern. Zum Umgang mit Fehlern im Kinderschutz.

Bielefeld 2011: Transkript

Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen in Rheinland-Pfalz

Risiko erkannt – Gefahr gebannt? Risikoanalyse als Qualitätsentwicklung im Kinderschutz. Bericht zum Landesmodellprojekt: „Qualitätsentwicklung Kinderschutz in Jugendämtern in Rheinland-Pfalz“ 2009–2011.

Mainz 2012

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Wolff, Reinhart; Flick, Uwe; Ackermann, Timo; Biesel, Kay; Brandhorst, Felix; Heinitz, Stefan; Patschke, Mareike; Röhnsch, Gundula

Aus Fehlern lernen – Qualitätsmanagement im Kinderschutz

Opladen/Berlin/Toronto 2013: Verlag Barbara Budrich

Das Teilprojekt wird gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.

Durchführung: DKSB NRW e. V.