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Interview mit Professor Dr. Susanne Schweitzer-Krantz, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Evangelisches Krankenhaus Düsseldorf

Prof. Dr. Susanne Schweitzer-Krantz
Prof. Dr. Susanne Schweitzer-Krantz

Das Bundeskinderschutzgesetz bezieht auch immer mehr den Bereich der Gesundheitshilfe mit ein. Ärztinnen und Ärzte haben die Möglichkeit, im Rahmen ihres Klinikalltages die ärztliche Schweigepflicht bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung zu lockern und sich zur Beratung eine Kinderschutzkraft ins Haus zu holen. Wir haben mit der Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Evangelischen Krankenhauses, Prof. Dr. Susanne Schweitzer-Krantz in Düsseldorf über die Auswirkungen des Bundeskinderschutzgesetzes auf den Klinikalltag gesprochen.

Hat sich der Alltag in Ihrer Klinik durch das Bundeskinderschutzgesetz verändert?

Schweitzer-Krantz: In unserer Kinderklinik im Evangelischen Krankenhaus Düsseldorf eher nicht, da wir durch eine mehr als 20 Jahre an unserem Haus bestehende Kinderschutzambulanz und die stationären Aufnahmen von in Obhut genommenen Kindern auch schon vorher beim Kinderschutz sehr aufmerksam waren.

Viele beklagen, dass die Kinder- und Jugendhilfe und der medizinische Bereich voneinander getrennte Systeme sind, die sich wenig zu sagen haben. Wie empfinden Sie das?

Hier ist Düsseldorf in der glücklichen Situation, dass durch das seit mehreren Jahren bestehende Programm der frühen Hilfen „Zukunft für Kinder in Düsseldorf“ Jugendamt, Gesundheitsamt und Kinderkliniken sehr eng zusammenarbeiten.

Das Bundeskinderschutzgesetz regelt, dass die Schweigepflicht von Ärztinnen und Ärzten gelockert wird, wenn sie eine Kindeswohlgefährdung vermuten. Spielt das im Klinikalltag eine Rolle?

Es macht Entscheidungen zur Kontaktaufnahme mit dem Jugendamt leichter. Wichtig ist uns aber stets, auch die Eltern vorab gut über unser Handeln informiert zu wissen, wenn das  Jugendamt kontaktiert werden soll. Das sieht das Bundeskinderschutzgesetz auch ausdrücklich vor.

Es ist für Ärztinnen und Ärzte oft nicht leicht zu entscheiden, ob „gewichtige Anzeichen“ für eine Kindeswohlgefährdung vorliegen oder nicht. Bei einer solchen „Gratwanderung“ gibt es die Möglichkeit, sich von einer Kinderschutzfachkraft beraten zu lassen. Wie wirkt sich dieses Angebot in der Praxis aus?

Wir haben auch schon vor dem Gesetz engen Kontakt zu unserer Kinderschutzambulanz gehabt, so dass wir einer Kinderschutzkraft weniger bedurften.

Fühlen Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen sich durch die Neuregelungen eher bestärkt oder verwirrt?

Wir fühlen uns bestärkt in unserem bisherigen Tun.

Wie könnte aus Sicht der Ärzteschaft die Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendhilfe vereinfacht und verbessert werden?

Wichtig ist es zu lernen, in einer gemeinsamen Sprache zu sprechen. Dies durften wir durch unser Programm der frühen Hilfen bereits seit einigen Jahren erfolgreich erproben.

Wen schlagen Sie als nächsten Interviewpartner vor?

Herrn Guido Kientopf, Kinderschutzfachkraft im Jugendamt des Märkischen Kreises und gewählter Sprecher der Landeskonferenz der koordinierenden Kinderschutzfachkräfte


(Das Interview führte Viola Gräfenstein)