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Rebecca Frings-Hemsing

Rebecca Frings-Hemsing

Rebecca Frings-Hemsing tritt in große Fußstapfen. Die Soziologin und Diplom-Pädagogin ist die Nachfolgerin von Martina Huxoll-von Ahn, die im vergangenen Herbst zum Deutschen Kinderschutzbund Bundesverband gewechselt ist. Rebecca Frings-Hemsing hat im Dezember 2016 die Fachberatung im Bereich Gewalt gegen Kinder und Jugendliche sowie die fachliche Leitung des Kompetenzzentrums Kinderschutz übernommen.

Frau Frings-Hemsing, wie waren Ihre ersten Arbeitswochen in der neuen Position?

Spannend und auch ein bisschen turbulent. Es gibt viel zu tun und viel zu lernen – und ich freue mich auf sehr spannende Projekte im Kompetenzzentrum Kinderschutz. Die Fußstapfen von Martina Huxoll-von Ahn sind natürlich riesig, sowohl fachlich als auch menschlich. Sie war vor allem im Bereich „Gewalt gegen Kinder und Jugendliche“ über 20 Jahre lang das Gesicht des DKSB nach außen und eine hervorragende Netzwerkerin. Davon profitiere ich jetzt. Überall dort, wo ich hinkomme, treffe ich auf sehr wohlwollende Menschen, die mir die nötige Zeit geben, um mich einzuarbeiten.

Sie kennen das Kompetenzzentrum schon lange. Auf welchen Themen liegen aktuell die Schwerpunkte?

Ein Projekt, an dem wir schon lange arbeiten, führen wir auch in diesem Jahr weiter: die Landeskonferenz der koordinierenden Kinderschutzfachkräfte. Dort treffen sich seit 2011 Kinderschutzfachkräfte aus ganz NRW, die vor Ort koordinierende Aufgaben wahrnehmen. Die Organisation dafür liegt weiterhin bei uns. Außerdem haben wir zu Jahresbeginn 2017 zwei neue Projekte gestartet.

Was für Projekte sind das?

Das erste ist eine wissenschaftstheoretische Arbeit zum Begriff der Kindeswohlgefährdung. Die Definition stammt aus den 1950-er Jahren, und im Mittelpunkt des Projektes steht die Frage, ob sie auch heutzutage noch zeitgemäß ist. Die Kinderrechte sind ja darin in keiner Weise berücksichtigt. Das ist genau das Arbeitgebiet von Dr. Margareta Müller, die im Bereich Kinderrechte eine hohe Expertise hat. Margareta Müller hat im Februar die Vertretung von Anja Meyer übernommen, die in die Babypause gegangen ist.

Sie haben eben gesagt, das Projekt sei eher wissenschaftstheoretisch. Was heißt das konkret?

Wir beginnen mit einer Literaturanalyse, um den aktuellen Sachstand darzustellen. Dazu kommt eine Expertenrunde, in der es um die Meinungen ganz unterschiedlicher Fachleute zum Gefährdungsbegriff geht. Unser Ziel ist eine Einschätzung, welche Auswirkungen eine Definitionsänderung in der Kinderschutz-Praxis hätte.

Und das zweite Projekt?

Dabei steht eine kleine Feldstudie im Mittelpunkt: eine Wirkungsanalyse der Arbeit der Kinderschutzfachkräfte. Sie sind seit zwölf Jahren im Gesetz verankert und wir interessieren uns für die Auswirkungen ihrer Tätigkeit. Läuft die Gefährdungseinschätzung qualitativ besser, wenn eine Kinderschutzfachkraft die beteiligten Fachkräfte berät? Dazu befragen wir Mitarbeitende von Kitas und Familienzentren, die schon einmal eine Kinderschutzfachkraft hinzugezogen haben.

Unsere beiden neuen Projekte laufen übrigens bis Ende 2017. Dann werden wir natürlich die Ergebnisse veröffentlichen.

Sie sind ja neben Ihrer Leitungstätigkeit im Kompetenzzentrum Kinderschutz auch die Nachfolgerin von Martina Huxoll-von Ahn als Fachberaterin im Bereich Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Mit welchen Fragen wenden sich die Menschen an Sie?

In meinen ersten Wochen stand ganz klar die sexualisierte Gewalt im Vordergrund. Wobei dies auch nur eine zufällige Tendenz sein kann. Martina könnte hier sicher jetzt differenziertere Angaben machen, mir fehlen da noch langfristige Erfahrungswerte. In einem halben Jahr weiß ich da sicher mehr.

Einerseits melden sich sich Fachkräfte aus der Kinder- und Jugendhilfe, Lehrer oder Sportvereine, die damit zu tun bekommen und jemanden brauchen, der sie berät. Andererseits kommen aber auch betroffene Eltern und Angehörige auf mich zu, die Rat suchen. Meine wichtigste Aufgabe dabei ist erst einmal zuzuhören und dann gut zu strukturieren: Welche Hilfeangebote braucht die Person „am anderen Ende der Leitung“, um die Krise gut bewältigen zu können?

Der Unterstützung durch regionale Fachstellen kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Wenn wir bei dem Beispiel der sexualisierten Gewalt bleiben: Eine Institution, in der die Leitung mit dem Vorwurf konfrontiert wird, einer ihrer Mitarbeiter habe ein Kind der Einrichtung sexuell missbraucht, steht massiv unter Handlungsdruck. Es ist daher sehr wichtig, dass diese Leitung zunächst aufgefangen wird, eine erste Krisenabklärung vorgenommen werden kann und eine Vermittlung an eine Fachstelle vor Ort mit einer fundierten Fachexpertise zum Thema sexualisierte Gewalt erfolgt.

Außerdem arbeite ich in verschiedenen Gremien mit. Dabei geht es zum Beispiel um das Landesgewaltschutzkonzept für Flüchtlingseinrichtungen, sexualisierte Gewalt im Sport oder die psychosoziale Prozessbegleitung. Besonders beschäftigt mich gerade das Thema „Schutzkonzepte an Schulen“. Ich freue mich, dass wir nun vermehrt auch Anfragen von Schulen zur Beratung und Begleitung bei der Erstellung von Schutzkonzepten erhalten. Hierzu bin ich derzeit vermehrt als Referentin unterwegs.


Sie erreichen Rebecca-Frings Hemsing in der Landesgeschäftsstelle des Deutschen Kinderschutzbundes Landesverband NRW e.V. unter r.frings[at]dksb-nrw[dot]de

Das Interview stammt aus dem Februar 2017.