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Donnerstag 28.September 2017

Kindeswohlgefährdungen besser erkennen

Vernachlässigung, Kindesmisshandlung und sexueller Missbrauch von Kindern sind gravierende Formen der Kindeswohlgefährdung. Doch der Schutz der Jüngsten in unserer Gesellschaft stößt im Alltag an Grenzen. Daher erarbeitet ein Team des Zentrums für Kinderheilkunde am Universitätsklinikum Bonn eine neue Kinderschutz-Leitlinie für Mediziner Pädagogen und Jugendhilfe, die im Umgang mit Verdachtsfällen hilft. Es ist deutschlandweit die erste Leitlinie dieser Art und wird vom Bundesministerium für Gesundheit mit mehr als eine Million Euro unterstützt. Im Rahmen des Symposiums zum elfjährigen Bestehen der Bonner KinderSchutzGruppe wurden am Mittwoch, 27. September, erste vorläufige Handlungsempfehlungen vorgestellt.

Etwa jeden zweiten Tag stirbt ein Kind unter 14 Jahren in Deutschland durch Gewalt. Zudem wurden im vergangenen Jahr über 4.000 Kinder körperlich misshandelt. Tatsächlich dürfte aber die Dunkelzahl der nicht angezeigten Straftaten viel höher liegen, zumal die Opfer von Misshandlung und Vernachlässigung im eigenen Zuhause nur sehr begrenzt auf sich aufmerksam machen können. „Der erste Verdacht auf Kindesmisshandlung ergibt sich häufig beim Arzt oder in der Klinik“, sagt Geschäftsführender Oberarzt Dr. Ingo Franke, Sprecher und Mitbegründer der lokalen Kinderschutzgruppe am Universitätsklinikum Bonn und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kinderschutz in der Medizin (DGKiM). „Doch Defizite unter anderem bei der diagnostischen Abgrenzung von Warnhinweisen zu Unfallfolgen bergen das Risiko, dass ein Verdacht nicht eindeutig und rechtzeitig geklärt wird. Den Preis dafür hat oft genug das Kind zu zahlen.“

An diesem Punkt setzt die Kinderschutzleitlinie an. Ziel ist es, allen beteiligten Berufsgruppen wie Ärzten, Lehrern und Sozialarbeitern, die täglich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, eine größere Sicherheit im Umgang mit den verschiedenen Formen der Misshandlung, sexuellem Missbrauch und Vernachlässigung zu geben. Auf dem Symposium wurden einige der derzeit noch vorläufigen Handlungsanweisungen aus den verschiedenen Themenkomplexen vorgestellt, beispielsweise wie man bei einem blauen Fleck vorgeht – jedes dritte misshandelte Kind hat einen blauen Fleck hinter den Ohren, am Hals oder im Nacken. Bei einem Säugling ist jedes Hämatom auffällig. Störungen im Sozialverhalten wie Distanzlosigkeit können ein Hinweis auf eine emotionale Vernachlässigung sein. Laut der Handlungsempfehlungen zur „Partizipation“ soll das Kind beteiligt und angehört werden. „Das ist keine Selbstverständlichkeit, doch bringt eine Beteiligung nur positive Effekte wie ein besseres Selbstwertgefühl“, sagt Franke.

Dabei geht es bei den Handlungsempfehlungen nicht nur darum, eine Kindeswohlgefährdung zu erkennen und zu behandeln, sondern auch um Prävention. So greift der Kinderschutzkreis, an dem Ärzte über Jugendhilfe bis hin zur Polizei beteiligt sind, schon vor der Geburt, beispielsweise wenn eine drogenabhängige Schwangere in eine Notfallambulanz eingeliefert wird.

Quelle: Pressemitteilung der Universitätsklinik Bonn, 27.09.2017

Den gesamten Text der Pressemitteilung finden Sie hier.

Hier können Sie detaillierte Informationen zur Kinderschutzleitlinie nachlesen: www.kinderschutzleitlinie.de