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Freitag 08.Juni 2018

Wirksamer Kinderschutz im Internet wird immer wichtiger

„Kinder- und Jugendschutz findet im Internet nicht statt“, kritisierte Johannes-Wilhelm Rörig bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2017 zu kindlichen Gewaltopfern. Der Jugendmedienschutz müsse nach Ansicht des Unabhängigen Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs jetzt dringend modernisiert und die IT-Wirtschaft auch gesetzlich verpflichtet werden, den Kinder- und Jugendschutz im Netz zu verwirklichen.

Er zeigte sich erschüttert über die unverändert hohen Fallzahlen bei Kindesmissbrauch und den Anstieg bei Kinder- und Jugendpornografie: „Cybergrooming, sexueller Missbrauch und das Filmen dieser entsetzlichen Taten sind für tausende Kinder Realität. Besonders erschreckend sind der Anstieg härtester Gewaltszenen sowie die zunehmende Zahl von Missbrauchsabbildungen von Kleinkindern und Babys. Wir müssen davon ausgehen, dass sich der Missbrauch tausender Kinder unerkannt fortsetzt“, so Rörig.

Die Fakten der Statistik: Im vergangenen Jahr wurden bundesweit 143 Kinder getötet. Fast 78 Prozent von ihnen waren zum Zeitpunkt des Todes jünger als sechs Jahre. In 77 Fällen blieb es bei einem Tötungsversuch. Die Zahlen zu Misshandlungen an Kindern stagnieren seit Jahren auf einem hohen Niveau. 4.208 Kinder waren hiervon betroffen, 43 Prozent von ihnen haben das 6. Lebensjahr noch nicht vollendet.

Im Bereich sexuelle Gewalt nach den §§ 176, 176a und 176b weist die Statistik einen Rückgang von 3,64 Prozent auf, doch wurden noch immer 13.539 Kinder als Opfer registriert. Die in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfassten Fallzahlen des Besitzes und der Verbreitung kinderpornografischen Materials stiegen im Vergleich zum Vorjahr wieder um 15,06 Prozent an.

Bezüglich des alltäglichen Ausmaßes von sexuellem Missbrauch, Misshandlung und Vernachlässigung in der Gesellschaft stellt Professor Dr. Jörg M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie Ulm und Leiter des Kompetenzzentrums Kinderschutz in der Medizin, fest: „Auf diese riesige Dimension sind die zuständigen Institutionen nicht vorbereitet. Dies gilt für das Gesundheitswesen wie für die Jugendhilfe etc. Die spezifische Fachberatung hat immer noch keine regelhafte Finanzierung.“ Im Rahmen der nachhaltigen Entwicklungsziele der UN habe sich Deutschland verpflichtet Gewalt gegen Kinder zu beenden, so Fegert weiter. Deshalb müssten entsprechende Indikatoren im Dunkelfeld regelmäßig erhoben werden. Die alleinige regelmäßige Präsentation der Kriminalstatistik reiche hierfür nicht aus.

Quelle: Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, 05.06.2018

Weitere Informationen

Bericht zum Thema in der Aktuellen Stunde (mit O-Tönen der Ärztlichen Kinderschutzambulanz Bergisch Land)